Montag, 20. Februar 2012

Ohne Worte


Sein Gesicht war der Wand zugewandt, aus den Augenwinkeln aber musterte er das versteinerte Gesicht der Frau. Dem Mann hätte der Streit leid getan, würde sie nicht so wenig betroffen dreinschauen. So stand sie mit gleichgültiger Miene und ohne ein Wort zu sagen auf, nahm Schlüssel und Jacke und verließ die Wohnung.
Ihr Verhalten fachte sein Gemüt erneut an. Sollte sie sich doch entschuldigen! Er würde es nicht tun.
Vor der Wohnungstür begannen die Tränen über das Gesicht der Frau zu laufen. Wie konnte er nur nicht merken, wie sehr sie seine Worte verletzt hatten? Sollte er sich doch entschuldigen! Sie würde es nicht tun.
Der Abend kam, die Frau kehrte zurück. In der Wohnung herrschte eiserne Stille, man sprach kein Wort. Drei Tage lebten sie so nebeneinander, jeder darauf warten, dass der andere sich entschuldige.
Dann, als beide den Streit längst bereuten, vergaß die Frau ihren Stolz, ging zum Mann und legte ihre Hand auf die seine. Er nahm die Frau in den Arm und niemand gebrauchte ein Wort, um sich auszudrücken.

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